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Sternenscout

Mit dem Fernglas

Ein Fernglas ist das unterschätzteste Astronomie-Instrument – leicht, schnell und erstaunlich ergiebig.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Ein Fernglas 7×50
Bild: Михаило Јовановић, CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

Viele erfahrene Beobachter raten: Kauf zuerst ein Fernglas – oder nimm das, das schon im Schrank liegt. Es zeigt dir mehr Sterne, als du mit blossem Auge siehst, ist in Sekunden einsatzbereit und hilft dir, dich am Himmel zurechtzufinden. Und wenn später ein Teleskop dazukommt, bleibt das Fernglas trotzdem im Einsatz.

Mehr erfahren – tippe auf einen Abschnitt

Was siehst du mit dem Fernglas?

Der Mond

Der Mond ist das ideale erste Ziel. Ein Fernglas zeigt grössere Krater, Gebirge und die dunklen «Meere». Am schönsten ist er nicht bei Vollmond, sondern um Halbmond herum: Dann werfen Krater und Berge entlang der Licht-Schatten-Grenze lange Schatten. EarthSky empfiehlt zudem, den Mond schon in der Dämmerung anzuschauen – dann blendet er weniger.

Jupiter und seine Monde

Halte das Fernglas ruhig auf Jupiter, und du siehst neben dem hellen Scheibchen bis zu vier kleine Lichtpunkte: die grossen Monde, die schon Galilei entdeckt hat. Von Abend zu Abend verändern sie ihre Stellung. Fehlt einer, steht er gerade vor oder hinter dem Planeten.

Saturn

Mit einem guten Fernglas wirkt Saturn nicht ganz rund, sondern leicht länglich. Die Ringe als solche erkennst du erst im Teleskop.

Sternhaufen

Hier spielt das Fernglas seine Stärke aus: das grosse Gesichtsfeld. Es zeigt ganze Sternhaufen auf einmal.

  • Plejaden: Mit blossem Auge siehst du etwa sechs Sterne, im Fernglas viele mehr.
  • Hyaden und Krippe: grosse, lockere Haufen, die in einem Teleskop gar nicht ganz ins Bild passen.
  • Doppelhaufen im Perseus: zwei Haufen nebeneinander im selben Blickfeld.

Nebel und Galaxien

  • Andromedagalaxie: rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt, im Fernglas deutlicher als mit blossem Auge. An einem dunklen Ort sind auch zwei kleinere Begleitgalaxien erkennbar.
  • Orionnebel: ein grauer, leuchtender Fleck im «Schwert» des Orion.
  • Die Whirlpool-Galaxie ist mit einem 10×50-Fernglas unter ländlichem Himmel als schwaches, diffuses Leuchten zu erwischen – eine Herausforderung für geübte Augen.

Die Milchstrasse

Schwenkst du das Fernglas langsam durch die Milchstrasse, löst sich das milchige Band in unzählige Einzelsterne auf. Im Sommer, an einem dunklen Ort, gehört das zum Schönsten, was der Himmel bietet.

Ehrliche Grenzen

  • Nebel und Galaxien bleiben grau. Ihr Licht reicht nicht, um die farbempfindlichen Zapfen im Auge anzuregen.
  • Planeten bleiben klein. Wolkenbänder auf Jupiter oder Details auf Mars brauchen ein Teleskop.
  • Zittern begrenzt die Vergrösserung. Je stärker die Vergrösserung, desto unruhiger ist das Bild in der Hand.

Wie holst du mehr heraus?

  • Ruhig halten: Ellbogen auf eine Mauer oder ein Autodach stützen, an einen Baum lehnen oder im Liegestuhl liegen.
  • Stativ: Viele Ferngläser lassen sich mit einem Adapter auf ein Fotostativ setzen. Bei grösseren Modellen empfiehlt EarthSky ein Stativ ausdrücklich.
  • Scharf stellen: Zuerst an einem hellen Stern mit dem Mitteltrieb scharf stellen, dann am Dioptrienausgleich das zweite Auge anpassen.
  • Systematisch suchen: Von einem bekannten Stern aus in kleinen Schritten zum Ziel wandern (Star-Hopping).

Häufige Fragen

Welches Fernglas eignet sich für die Astronomie?
Für den Anfang ein 7×50 oder ein ähnliches Modell mit grossen Objektiven und nicht zu starker Vergrösserung. Es lässt sich noch ruhig in der Hand halten. Mehr dazu in der Kaufberatung zum Fernglas.
Warum zittert das Bild so stark?
Jede Handbewegung wird mitvergrössert. Stütze die Ellbogen auf, lehne dich an eine Wand oder nutze ein Stativ – bei stärkeren Ferngläsern ist ein Stativ fast Pflicht.
Sehe ich im Fernglas die Saturnringe?
Meist nicht als Ringe. Ein gutes Fernglas zeigt Saturn höchstens leicht länglich. Für die Ringe brauchst du ein kleines Teleskop.

Quellen (4)

  1. EarthSky: Top tips for using ordinary binoculars for stargazing (abgerufen 14.10.2026)
  2. Royal Museums Greenwich: The Solar System through your own telescope (abgerufen 14.10.2026)
  3. Astronomy Now: Don't miss out on Messier 51, the wonderful Whirlpool Galaxy (2022) (abgerufen 14.10.2026)
  4. Astronomy Magazine: Am I seeing the real thing? (M. E. Bakich, 2004) (abgerufen 14.10.2026)

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