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Sternenscout

Zeitleiste der Himmelsbeobachtung

Wie der Mensch gelernt hat, den Himmel zu beobachten – und warum du heute mehr siehst als Galilei.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger

Zwei Fernrohre Galileis im Museo Galileo, Florenz
Bild: Zde, CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Menschen haben den Himmel schon beobachtet, lange bevor es Fernrohre gab – mit blossem Auge, um Kalender zu führen und sich zu orientieren. Seit gut 400 Jahren helfen Linsen und Spiegel, seit knapp 200 Jahren auch die Fotografie. Und heute rechnen Smartphones und Smart-Teleskope aus vielen Einzelbildern ein Foto zusammen.

Die Zeitleiste zeigt die wichtigsten Schritte – mit Blick auf das, was für dich als Beobachterin oder Beobachter heute zählt: Viele Geräte und Techniken, die du kaufen kannst, haben hier ihren Ursprung.

  1. 1600 v. Chr.

    Die Himmelsscheibe von Nebra

    Um 1600 v. Chr. wird in Mitteldeutschland eine Bronzescheibe von rund 32 cm Durchmesser vergraben. Ihre Goldauflagen werden als Sonne oder Vollmond, Mondsichel und die Plejaden gedeutet – die Deutung ist in der Fachwelt allerdings nicht unumstritten.

    Die Himmelsscheibe von Nebra
    Bild: Shonagon, CC0, Quelle: Wikimedia Commons
  2. 137

    Der Sternkatalog des Almagest

    Claudius Ptolemäus fasst in Alexandria das astronomische Wissen der Antike zusammen. Sein Sternkatalog (meist auf 137 n. Chr. datiert) beschreibt 1025 Sterne in 48 Sternbildern – alle mit blossem Auge beobachtet.

  3. 964

    Al-Sufis «kleine Wolke»

    Der persische Astronom Abd al-Rahman al-Sufi beschreibt um 964 im «Buch der Fixsterne» eine «kleine Wolke» im Sternbild Andromeda. Es ist die erste überlieferte Beschreibung der Andromedagalaxie.

  4. 1608

    Lipperhey will das Fernrohr patentieren

    Am 2. Oktober 1608 beantragt der Brillenmacher Hans Lipperhey bei den niederländischen Generalstaaten ein Patent für ein Gerät, mit dem man ferne Dinge nah sieht. Das Patent wird abgelehnt, weil andere Brillenmacher dasselbe beanspruchen.

  5. 1609

    Die erste Mondzeichnung mit Fernrohr

    Der Engländer Thomas Harriot zeichnet am 5. August 1609 (nach heutigem Kalender) den Mond durch ein Fernrohr – noch bevor Galilei seine Beobachtungen veröffentlicht.

  6. 1610

    Galilei veröffentlicht den «Sternenboten»

    Mit einem selbst gebauten Fernrohr (20-fache Vergrösserung) entdeckt Galileo Galilei am 7. Januar 1610 die Jupitermonde. Im März 1610 erscheint sein «Sidereus Nuncius»: Der Mond hat Berge, die Milchstrasse besteht aus unzähligen Sternen.

  7. 1668

    Newtons Spiegelteleskop

    Isaac Newton baut Ende 1668 das erste funktionierende Spiegelteleskop mit einem Hauptspiegel von nur 33 mm Durchmesser. Seine Bauweise steckt bis heute in jedem Dobson.

    Nachbau von Newtons Spiegelteleskop
    Bild: The Science Museum UK, CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons
  8. 1758

    Messier stolpert über den Krebsnebel

    Charles Messier sucht 1758 nach dem zurückkehrenden Halleyschen Kometen und hält einen Nebelfleck im Stier zunächst für einen Kometen. Daraus entsteht die Idee einer Liste von Objekten, die Kometenjäger nicht verwechseln sollen.

  9. 1774

    Die erste Fassung des Messier-Katalogs

    Messier veröffentlicht 1774 seine erste Liste mit 45 Objekten. Heute ist der Katalog die klassische Einstiegsliste für Hobby-Beobachter – siehe alle Messier-Objekte.

  10. 1781

    Herschel entdeckt Uranus

    Am 13. März 1781 findet William Herschel mit einem selbst gebauten Spiegelteleskop von rund 15 cm Öffnung einen neuen Planeten. Zuerst hält er Uranus für einen Kometen.

  11. 1781

    Messiers Katalog wächst auf 103 Objekte

    Die letzte von Messier selbst veröffentlichte Fassung umfasst 103 Objekte. Sieben weitere (M 104 bis M 110) wurden später ergänzt.

  12. 1840

    Das erste gelungene Mondfoto

    John William Draper fotografiert am 23. März 1840 den Mond als Daguerreotypie – mit 20 Minuten Belichtungszeit. Es ist der Beginn der Astrofotografie.

    Drapers Mondfoto von 1840
    Bild: John William Draper, Public domain, Quelle: Wikimedia Commons
  13. 1845

    Der «Leviathan» zeigt Spiralen

    William Parsons, der 3. Earl of Rosse, stellt in Irland ein Spiegelteleskop mit 1,83 m Öffnung fertig. Damit erkennt er 1845 die Spiralstruktur der Whirlpool-Galaxie. Rund 72 Jahre lang bleibt es das grösste Teleskop der Welt.

    Modell des «Leviathan» von Lord Rosse
    Bild: Science Museum Group, CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons
  14. 1850

    Das erste Foto eines Sterns

    Am 16. und 17. Juli 1850 fotografieren William Cranch Bond und John Adams Whipple an der Harvard-Sternwarte den hellen Stern Wega – die erste Aufnahme eines Sterns ausser der Sonne.

  15. 1880

    Der Orionnebel auf der Fotoplatte

    Henry Draper gelingt am 30. September 1880 die erste Fotografie des Orionnebels. Ab jetzt zeigt die Kamera mehr, als das Auge am Okular sieht.

  16. 1897

    Das grösste Linsenteleskop der Forschung

    Am 21. Oktober 1897 wird das Yerkes-Observatorium bei Chicago eingeweiht. Sein Refraktor mit 40 Zoll (rund 102 cm) Öffnung ist bis heute das grösste Linsenteleskop, das für die astronomische Forschung genutzt wurde.

    Der 40-Zoll-Refraktor des Yerkes-Observatoriums
    Bild: user Kb9vrg, Public domain, Quelle: Wikimedia Commons
  17. 1965

    Der Dobson: viel Öffnung für wenig Geld

    John Dobson wird die Erfindung der nach ihm benannten Bauweise um 1965 zugeschrieben: ein Newton-Teleskop auf einer einfachen, drehbaren Holzkiste. 1968 gründet er die «Sidewalk Astronomers» mit, die Passanten auf dem Trottoir durchs Teleskop schauen lassen.

  18. 1969

    Der CCD-Bildsensor wird erfunden

    Willard Boyle und George E. Smith erfinden 1969 bei den Bell Labs den CCD-Sensor. Ab den 1970er-Jahren ersetzt er in der Forschung die Fotoplatte; seit Ende der 1990er-Jahre fotografieren auch Amateure zunehmend digital.

  19. 1970

    Das Schmidt-Cassegrain für alle

    Celestron bringt 1970 das C8 auf den Markt. Ein neues Verfahren macht die Korrekturplatten billig in Serie herstellbar – das kompakte Schmidt-Cassegrain wird zum Klassiker für Amateure.

  20. 1990

    Das Hubble-Weltraumteleskop startet

    Am 24. April 1990 bringt die Raumfähre Discovery das Hubble-Teleskop mit 2,4 m Spiegel ins All. Ein Fehler im Hauptspiegel wird im Dezember 1993 mit einer Korrekturoptik behoben.

  21. 1992

    GoTo wird erschwinglich

    Meade bringt 1992 die LX200-Reihe mit computergesteuerter Montierung heraus, zuerst mit 8 und 10 Zoll Öffnung. Teleskope, die Objekte selbst anfahren, werden damit für Amateure bezahlbar – mehr dazu unter GoTo einrichten.

  22. 1995

    Zwei Amateure entdecken Hale-Bopp

    Am 23. Juli 1995 entdecken Alan Hale und Thomas Bopp unabhängig voneinander einen Kometen – Bopp durch einen selbst gebauten 44-cm-Dobson eines Freundes. Hale-Bopp war 1996/1997 rund 18 Monate lang von blossem Auge sichtbar.

  23. 2017

    Das elektronische Teleskop eVscope

    Unistellar zeigt 2017 an der Messe CES den Prototyp eines Teleskops, das Bilder elektronisch aufaddiert und ins Okular einspielt. Besitzer können damit auch bei Bürgerwissenschafts-Projekten mitmachen.

  24. 2018

    Stellina: Teleskop ohne Okular

    Vaonis stellt im Januar 2018 an der CES das Smart-Teleskop Stellina vor (80 mm Öffnung). Gesteuert wird es per App, das Bild erscheint auf Handy oder Tablet.

  25. 2019

    Der Astro-Modus im Smartphone

    Google stellt im November 2019 den Astrofotografie-Modus der Pixel-Handys vor: bis zu 15 Einzelbilder à höchstens 16 Sekunden, zusammen bis 4 Minuten – vom Stativ aus. Astrofotos mit dem Smartphone werden alltagstauglich.

  26. 2023

    Smart-Teleskope werden Massenware

    ZWO stellt im April 2023 das Seestar S50 vor: 50 mm Öffnung, 250 mm Brennweite, Kamera, Filter und Steuerung in einem Gerät von 2,5 kg. Es macht Smart-Teleskope für viele Einsteiger erschwinglich.

  27. 2024

    Der erste Dark Sky Park der Schweiz

    DarkSky International zeichnet 2024 die «Gantrisch Dark Sky Zone» im Naturpark Gantrisch aus – rund 104 km² in den Berner und Freiburger Voralpen. Mehr unter Dunkle Orte in der Schweiz.

Was du daraus mitnehmen kannst

  • Öffnung zählt. Von Newtons 33-mm-Spiegel bis zum Leviathan mit 1,83 m: Mehr Öffnung zeigt schwächere Objekte. Das gilt auch für dein erstes Teleskop – mehr dazu unter Dobson-Teleskope.
  • Einfach schlägt kompliziert. John Dobsons Idee, ein grosses Spiegelteleskop auf eine schlichte Holzkiste zu setzen, macht viel Öffnung bis heute erschwinglich.
  • Die Kamera sieht mehr als das Auge. Seit Henry Draper 1880 den Orionnebel fotografierte, zeigt die Fotografie Details, die das Auge am Okular nicht erfasst. Wie du selbst einsteigst, steht unter Astrofotografie.
  • Messiers Liste ist noch immer der Klassiker. Die Messier-Objekte sind die ideale «To-do-Liste» für Einsteiger.

Häufige Fragen

Wer hat das Fernrohr erfunden?
Das ist nicht eindeutig geklärt. Der Brillenmacher Hans Lipperhey beantragte am 2. Oktober 1608 in den Niederlanden ein Patent, bekam es aber nicht, weil andere dasselbe beanspruchten. Galilei baute bald darauf eigene, stärkere Fernrohre und richtete sie auf den Himmel.
Was konnte Galilei mit seinem Fernrohr sehen?
Mit rund 20-facher Vergrösserung sah er Berge auf dem Mond, die vier grossen Jupitermonde und dass die Milchstrasse aus unzähligen Sternen besteht. Ein heutiges Einsteigerteleskop zeigt mehr und schärfer.

Quellen (28)

  1. Wikipedia: Sidereus Nuncius (abgerufen 14.10.2026)
  2. Wikipedia: Hans Lipperhey (abgerufen 14.10.2026)
  3. Wikipedia: Himmelsscheibe von Nebra (abgerufen 14.10.2026)
  4. Wikipedia: Almagest (abgerufen 14.10.2026)
  5. Wikipedia: Book of Fixed Stars (abgerufen 14.10.2026)
  6. Wikipedia: Thomas Harriot (abgerufen 14.10.2026)
  7. Wikipedia: Newtonian telescope (abgerufen 14.10.2026)
  8. Wikipedia: Crab Nebula (abgerufen 14.10.2026)
  9. Wikipedia: Charles Messier (abgerufen 14.10.2026)
  10. Wikipedia: Messier object (abgerufen 14.10.2026)
  11. Wikipedia: Uranus (Planet) (abgerufen 14.10.2026)
  12. Wikipedia: Astrophotography (abgerufen 14.10.2026)
  13. Wikipedia: Leviathan of Parsonstown (abgerufen 14.10.2026)
  14. Wikipedia: Henry Draper (abgerufen 14.10.2026)
  15. Wikipedia: Yerkes Observatory (abgerufen 14.10.2026)
  16. Wikipedia: Dobsonian telescope (abgerufen 14.10.2026)
  17. Wikipedia: John Dobson (amateur astronomer) (abgerufen 14.10.2026)
  18. Wikipedia: Charge-coupled device (abgerufen 14.10.2026)
  19. Wikipedia: Celestron (abgerufen 14.10.2026)
  20. Wikipedia: Hubble Space Telescope (abgerufen 14.10.2026)
  21. Wikipedia: Meade LX200 (abgerufen 14.10.2026)
  22. Wikipedia: Comet Hale–Bopp (abgerufen 14.10.2026)
  23. Wikipedia: Unistellar (abgerufen 14.10.2026)
  24. ESA: Vaonis Stellina telescope (abgerufen 14.10.2026)
  25. Google Research: Astrophotography with Night Sight on Pixel Phones (26.11.2019) (abgerufen 14.10.2026)
  26. Astronomy: ZWO unveils the Seestar S50 Pro (abgerufen 14.10.2026)
  27. ZWO: Seestar S50 (Datenblatt) (abgerufen 14.10.2026)
  28. DarkSky International: Gantrisch Dark Sky Zone, Switzerland (abgerufen 14.10.2026)

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