Dobson-Teleskope
Ein Spiegelteleskop in einem einfachen Holzkasten: Für viele erfahrene Beobachter das beste erste Teleskop.
Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Ein Dobson ist im Grunde ein Newton-Spiegelteleskop, das auf einem einfachen Kasten steht. Der Kasten – oft «Rockerbox» genannt – dreht sich auf einer Bodenplatte nach links und rechts, das Rohr kippt in zwei seitlichen Lagern nach oben und unten. Mehr Mechanik gibt es nicht. Genau das macht den Dobson so beliebt: Fast das ganze Geld steckt in der Optik.
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Die Idee von John Dobson
Der Amerikaner John Dobson baute ab 1956 Teleskope aus Abfallmaterial: Spiegel aus Bullaugen-Glas, Tuben aus Kartonröhren für Betonsäulen, Montierungen aus Sperrholz. Im Interview mit dem BBC Sky at Night Magazine fasste er seine Erfindung so zusammen: Er habe einfach ein Teleskop gebaut, das sich auf und ab und nach links und rechts bewegt. 1968 gründete er die «Sidewalk Astronomers», die mit Teleskopen auf Trottoirs Passanten den Himmel zeigten. Ab den frühen 1980er-Jahren verkauften Firmen seine Bauweise kommerziell. Dobson starb am 15. Januar 2014 im Alter von 98 Jahren.
Warum ein Dobson?
- Öffnung: Für 300 bis 450 Franken bekommst du 150 bis 200 mm Spiegeldurchmesser. Die Lichtmenge steigt mit der Fläche: 200 mm sammeln fast doppelt so viel Licht wie 150 mm.
- Einfachheit: Hinstellen, Schutzdeckel ab, beobachten. Keine Ausrichtung auf den Polarstern, keine Gegengewichte, kein Strom.
- Stabilität: Der Schwerpunkt liegt tief, das Bild beruhigt sich nach dem Anstossen sofort.
- Intuitiv: Du schiebst das Rohr einfach dorthin, wo du hinschauen willst – perfekt für das Star-Hopping, das Hangeln von Stern zu Stern.
Die Nachteile – ehrlich
- Keine Nachführung: Die Erde dreht sich, und das Objekt wandert aus dem Bild. Bei 150-facher Vergrösserung musst du alle paar Sekunden nachschieben. Mit etwas Übung geht das fliessend.
- Grösse und Gewicht: Ein 200-mm-Dobson hat einen Tubus von rund 1,2 m Länge und laut Hersteller 11 kg Gewicht, dazu kommt der Sockel. Treppen und kleine Autos werden zum Thema.
- Kollimation und Auskühlen: Wie jeder Newton muss der Dobson gelegentlich justiert werden und braucht etwa eine Stunde, bis der Spiegel ausgekühlt ist. Siehe Kollimation.
- Fotografie: Für Langzeitbelichtungen ungeeignet. Mond und Planeten mit dem Smartphone gehen aber gut.
- Zenit: Direkt über dem Kopf lässt sich ein Dobson schlecht führen, weil sich der Sockel dort sehr schnell drehen müsste.
Welcher Dobson passt: 130, 150 oder 200 mm?
Die folgenden Modelle von Sky-Watcher sind typische Beispiele; ähnliche Geräte gibt es von anderen Herstellern. Angaben laut Hersteller- und Händlerseiten, Preise als Richtwerte in Franken, Stand Oktober 2026.
| Modell | Öffnung / Brennweite | Okularauszug | Mitgelieferte Okulare | Gewicht Tubus | Preis (Richtwert) |
|---|---|---|---|---|---|
| Heritage 130P FlexTube (Tisch-Dobson) | 130 / 650 mm, f/5 | 1,25 Zoll | 25 und 10 mm | 3,7 kg | rund 250 CHF |
| Skyliner 150P Classic | 150 / 1200 mm, f/8 | 2 Zoll mit 1,25-Zoll-Adapter | 25 und 10 mm | 5,8 kg | rund 340 CHF |
| Skyliner 200P Classic | 203 / 1200 mm, f/5,9 | 2 Zoll mit 1,25-Zoll-Adapter | 20 und 12,5 mm | 11 kg | rund 450 CHF |

Was die Unterschiede bedeuten:
- Der Heritage 130P ist ein Tisch-Dobson mit zusammenschiebbarem Tubus. Laut Hersteller wiegt das ganze Gerät weniger als 14 Pfund (rund 6 kg). Du stellst ihn auf einen stabilen Tisch, eine Kiste oder eine Mauer. Er passt in jeden Kofferraum und ist ein beliebtes Familien- und Reiseteleskop.
- Der Skyliner 150P hat mit f/8 ein langes Öffnungsverhältnis und einen kleinen Fangspiegel (Obstruktion laut Händler rund 22,5 Prozent). Das ist günstig für kontrastreiche Planetenbilder und verzeiht kleine Fehler bei der Kollimation.
- Der Skyliner 200P ist für viele der ideale Allrounder. 8 Zoll Öffnung zeigen Kugelsternhaufen aufgelöst in Einzelsterne, Strukturen in hellen Galaxien und viel Detail auf dem Mond. Er ist aber ein echtes Möbelstück.
Welches Modell passt zu dir?
Sky-Watcher Heritage 130P FlexTube
- Passt zu dir, wenn du wenig Platz hast oder das Teleskop oft mitnimmst: Rund 6 kg, und es passt in jeden Kofferraum.
- Passt nicht, wenn du keinen stabilen Tisch, keine Kiste und keine Mauer als Unterlage hast.
Sky-Watcher Skyliner 150P Classic
- Passt zu dir, wenn du kontrastreiche Planetenbilder willst und ein Gerät suchst, das kleine Fehler bei der Kollimation verzeiht.
- Passt nicht, wenn du möglichst viel Licht für Galaxien willst: 200 mm sammeln fast doppelt so viel wie 150 mm.
Sky-Watcher Skyliner 200P Classic
- Passt zu dir, wenn du einen Allrounder für Kugelsternhaufen, helle Galaxien und den Mond suchst.
- Passt nicht, wenn du 11 kg Tubus mit 1,2 m Länge plus Sockel über Treppen oder in ein kleines Auto bringen musst.
Grössere Dobsons ab 250 mm gibt es häufig als Flextube (ausziehbarer Gitterrohr-Tubus) oder mit GoTo-Motoren. Für den Einstieg sind sie meist zu schwer und zu teuer.
Was siehst du mit einem Dobson?
Mit 150 bis 200 mm Öffnung erschliesst sich ein grosser Teil des Messier-Katalogs: Der Orionnebel zeigt Struktur, der Ringnebel wird als kleiner Rauchring sichtbar, Kugelsternhaufen wie M 13 lösen sich am Rand in Sterne auf. Bei Jupiter siehst du die Wolkenbänder und die vier hellen Monde, bei Saturn die Ringe mit der Cassini-Teilung in guten Nächten. Mehr unter Was sehe ich mit einem grossen Teleskop?
Kauf-Checkliste
- Grösse passend zum Alltag: Wo lagerst du das Teleskop? Wie weit trägst du es? Passt es ins Auto?
- Okularauszug: 2 Zoll mit 1,25-Zoll-Adapter ist ideal.
- Sucher: Ein Leuchtpunktsucher (oder später ein Telrad) erleichtert das Finden. Siehe Zubehör.
- Lager und Reibung: Das Rohr sollte sich sanft bewegen lassen und stehen bleiben, wo du es loslässt. Bei manchen Modellen lässt sich die Reibung einstellen.
- Okulare: Die mitgelieferten Okulare reichen für den Anfang. Ein drittes Okular für mittlere Vergrösserungen ist oft die erste sinnvolle Ergänzung. Siehe Okulare.
- Justierhilfe: Ein einfaches Justierokular kostet wenig und macht die Kollimation leichter.
Häufige Fragen
Ist ein Dobson gut für Anfänger?
Welche Grösse sollte mein erster Dobson haben?
Kann ich mit einem Dobson fotografieren?
Was ist ein Flextube- oder Gitterrohr-Dobson?
Quellen (8)
- BBC Sky at Night Magazine: An interview with John Dobson (abgerufen 14.10.2026)
- Universe Today: John Dobson, inventor of the popular Dobsonian telescope, dead at 98 (abgerufen 14.10.2026)
- BBC Sky at Night Magazine: Telescope stats explained (abgerufen 14.10.2026)
- Sky-Watcher: Heritage P130, Datenblatt (abgerufen 14.10.2026)
- Sky-Watcher: DOB 8" Traditional, Datenblatt (abgerufen 14.10.2026)
- Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Sky-Watcher N 130/650 Heritage FlexTube (abgerufen 14.10.2026)
- Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Sky-Watcher N 150/1200 Skyliner Classic (abgerufen 14.10.2026)
- Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Sky-Watcher N 200/1200 Skyliner Classic (abgerufen 14.10.2026)
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