Mond-Tour: Krater, Meere und Gebirge
Vom Mare Crisium bis Aristarchus: eine Tour für viele Abende, sortiert nach dem Tag, an dem jedes Ziel am schönsten ist.
Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Der Mond ist zu gross für einen einzigen Abend. Diese Tour führt dich in 14 Etappen über die Mondoberfläche – sortiert nach dem Tag nach Neumond, an dem das jeweilige Ziel am Terminator am schönsten aussieht. Du brauchst ein Fernglas für die grossen Meere und ein kleines Teleskop für die Krater. Die Daten der Mondphasen findest du im Mondkalender, Grundlagen unter Mondphasen beobachten.
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Orientierung im Teleskop
Mit blossem Auge steht der Mond so am Himmel, wie du ihn kennst. Viele Teleskope zeigen ihn aber auf dem Kopf oder seitenverkehrt. Orientiere dich an den grossen dunklen Meeren: Das runde Mare Crisium liegt immer am Rand, an dem die zunehmende Sichel zuerst erscheint.

Die Tour auf einen Blick
| Nr. | Ziel | Art | Grösse | Am schönsten (Tag nach Neumond) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Mare Crisium | Meer | 556 km | 3 bis 4 |
| 2 | Theophilus | Krater | 99 km | 5 bis 6 |
| 3 | Mare Tranquillitatis | Meer | 876 km | 5 bis 6 |
| 4 | Apollo-11-Landegebiet | Landestelle | – | 6 bis 7 |
| 5 | Montes Apenninus | Gebirge | 600 km lang | 7 bis 8 |
| 6 | Ptolemaeus, Alphonsus, Arzachel | Kraterkette | 154 / 111 / 97 km | 7 bis 8 |
| 7 | Rupes Recta | Steilstufe | 116 km lang | 8 (und um Tag 22) |
| 8 | Plato | Krater | 101 km | 8 bis 9 |
| 9 | Tycho | Krater | 85 km | 8 bis 9 (Strahlen: Vollmond) |
| 10 | Clavius | Krater | 231 km | 8 bis 10 |
| 11 | Mare Imbrium | Meer | 1146 km | 8 bis 10 |
| 12 | Kopernikus | Krater | 96 km | 9 bis 10 |
| 13 | Sinus Iridum | Bucht | 249 km | 10 bis 11 |
| 14 | Aristarchus | Krater | 40 km | 11 bis 12 |
So sind die Tage berechnet
Der Terminator (Licht-Schatten-Grenze) wandert jeden Tag rund 12° Mondlänge weiter – einmal ganz herum in 29,5 Tagen. Aus der Lage jedes Ziels im IAU-Namensverzeichnis haben wir berechnet, wann der Terminator ungefähr darüber hinwegzieht. Am schönsten ist ein Ziel meist an diesem Tag und dem folgenden. Weil der Mond leicht schwankt (Libration) und die Phasen nicht exakt gleich lang sind, kann sich das um etwa einen Tag verschieben. Durchmesser und Lage stammen aus dem IAU/USGS-Gazetteer.
Etappe 1: Mare Crisium (Tag 3 bis 4)
Das «Meer der Gefahren» ist das erste grosse Ziel der jungen Sichel: ein scharf umrandetes, dunkles Oval nahe dem Mondrand, rund 556 km gross. Schon im Fernglas gut zu sehen. Weil es so nah am Rand liegt, wirkt es länglich verkürzt.
Etappe 2: Theophilus (Tag 5 bis 6)
Theophilus (99 km) ist einer der eindrucksvollsten Krater für kleine Teleskope: terrassierte Wände und ein mächtiger Zentralberg. Gleich daneben liegen die älteren Krater Cyrillus und Catharina – ein schönes Trio zum Vergleichen von jung und alt.
Etappe 3: Mare Tranquillitatis (Tag 5 bis 6)
Das «Meer der Ruhe» (876 km) ist eine der grössten dunklen Flächen auf der uns zugewandten Seite. Im Fernglas ist es eine der markanten Flecken des «Mondgesichts». Am Rand findest du kleine Krater und schwache Bodenwellen, wenn das Licht flach einfällt.
Etappe 4: Das Apollo-11-Landegebiet (Tag 6 bis 7)
Im Südwesten des Mare Tranquillitatis landete am 20. Juli 1969 Apollo 11. Die Landestelle (Statio Tranquillitatis) liegt bei rund 0,7° nördlicher Breite und 23,5° östlicher Länge, also nahe dem Mondäquator. Etwa sechs Tage nach Neumond ist die Gegend voll beleuchtet. Mit einem Teleskop ab etwa 100 mm Öffnung und 75-facher Vergrösserung kannst du die Gegend finden.
Etappe 5: Montes Apenninus (Tag 7 bis 8)
Um den Halbmond zieht sich eine helle, gezackte Bergkette am Terminator entlang: die Apenninen, rund 600 km lang. Sie bilden einen Teil des Randes des Mare Imbrium. Bei flachem Licht werfen die Gipfel lange, spitze Schatten in die Ebene – einer der schönsten Anblicke im kleinen Teleskop.
Etappe 6: Ptolemaeus, Alphonsus und Arzachel (Tag 7 bis 8)
Fast in der Mondmitte liegt eine Kette aus drei grossen Kratern: der flache, alte Ptolemaeus (154 km), Alphonsus (111 km) mit kleinem Zentralberg und Arzachel (97 km) mit deutlicheren Terrassen. Ein gutes Ziel, um bei steigender Vergrösserung immer mehr Kleinkrater zu entdecken.
Etappe 7: Rupes Recta (Tag 8 und um Tag 22)
Die «Gerade Wand» ist eine 116 km lange Steilstufe im Mare Nubium. Am 8. Tag wirft sie einen dunklen Schatten und erscheint als schwarzer Strich. Beim abnehmenden Mond, um Tag 22, fällt das Licht von der anderen Seite: Dann leuchtet die Stufe als heller Strich. Ein Ziel für 100-fach und mehr.
Etappe 8: Plato (Tag 8 bis 9)
Plato (101 km) fällt durch seinen glatten, sehr dunklen Boden auf – wie ein Loch am Nordrand des Mare Imbrium. Bei ruhiger Luft und hoher Vergrösserung kannst du auf dem Boden winzige Kraterchen suchen: ein guter Test für Optik und Seeing.
Etappe 9: Tycho (Tag 8 bis 9, Strahlen um Vollmond)
Tycho (85 km) liegt im zerkraterten Hochland des Südens. Am Terminator zeigt er Terrassen und einen Zentralberg. Seinen grossen Auftritt hat er aber um Vollmond: Dann gehen helle Strahlen von ihm aus, die sich über einen grossen Teil der Mondoberfläche ziehen – im Fernglas gut sichtbar.
Etappe 10: Clavius (Tag 8 bis 10)
Clavius ist mit 231 km einer der grössten Krater der Vorderseite. Auf seinem Boden liegt eine geschwungene Reihe kleinerer Krater, die von gross nach klein abnimmt. Ein schönes Ziel bei 50- bis 100-fach.

Etappe 11: Mare Imbrium (Tag 8 bis 10)
Das «Regenmeer» ist mit 1146 km eines der grössten Meere auf der Vorderseite. Im Fernglas ein grosser, dunkler Fleck im Nordwesten des Mondes. An seinen Rändern liegen die Apenninen, die Alpen, Plato und Sinus Iridum – viele Etappen dieser Tour hängen an ihm.
Etappe 12: Kopernikus (Tag 9 bis 10)
Kopernikus (96 km) gilt vielen als «König der Mondkrater»: steile, terrassierte Wände, mehrere Zentralberge und ein ausgeprägtes Umfeld aus Auswurfmaterial. Bei 100-fach ein Höhepunkt jeder Mondnacht. Wie Tycho zeigt er um Vollmond helle Strahlen.
Etappe 13: Sinus Iridum (Tag 10 bis 11)
Die «Regenbogenbucht» (249 km) ist eine halbrunde Bucht am Nordwestrand des Mare Imbrium, eingefasst von einem Bergbogen. Wenn der Terminator gerade darüber hinweggezogen ist, leuchten die Berge am Rand hell, während die Bucht noch teilweise im Schatten liegt.
Etappe 14: Aristarchus (Tag 11 bis 12)
Zum Schluss ein kleiner, aber auffälliger Krater: Aristarchus (40 km) liegt im grossen Oceanus Procellarum und ist ein sehr heller Fleck in der dunklen Ebene. Er bleibt auch bei hohem Sonnenstand gut sichtbar – sogar um Vollmond.
Mehr über die Entstehung der Krater und Meere und über die Apollo-Missionen findest du auf Kosmoskop.
Häufige Fragen
Kann ich die Apollo-Landestellen im Teleskop sehen?
Welche Vergrösserung brauche ich für die Mond-Tour?
Warum sieht mein Mond anders aus als die Karte?
Quellen (4)
- IAU/USGS Gazetteer of Planetary Nomenclature: Mond (Namen, Lage, Durchmesser) (abgerufen 14.10.2026)
- Sky & Telescope: How to See All Six Apollo Moon Landing Sites (abgerufen 14.10.2026)
- NASA Science: Moon Phases (abgerufen 14.10.2026)
- NASA Science: Moon Facts (abgerufen 14.10.2026)
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