Zum Inhalt springen
Schwesterseite: Kosmoskop – Was ist da draussen? →
Sternenscout

Barlow-Linse

Eine Barlow-Linse verdoppelt oder verdreifacht die Brennweite deines Teleskops – und damit die Vergrösserung jedes Okulars. Aber nicht jede Nacht verträgt das.

Zuletzt aktualisiert: 19.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Barlowlinse und Okular
Bild: DrCruse, CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

Eine Barlow-Linse ist eine Zerstreuungslinse, die du zwischen Okularauszug (oder Zenitspiegel) und Okular steckst. Sie verlängert die effektive Brennweite deines Teleskops und damit die Vergrösserung (Wikipedia). Aus einem Okular werden so zwei Vergrösserungsstufen, ohne dass du ein weiteres Okular kaufen musst.

Mehr erfahren – tippe auf einen Abschnitt

So wirkt sie

Eine 2x-Barlow verdoppelt die Brennweite des Teleskops, eine 3x-Barlow verdreifacht sie, eine 5x-Barlow verfünffacht sie (Bresser). Jedes Okular dahinter vergrössert entsprechend stärker: Ein 10-mm-Okular verhält sich mit einer 2x-Barlow wie ein 5-mm-Okular (Telescopic Watch). Auch das Öffnungsverhältnis ändert sich: Aus f/5 wird bei 2x ein f/10 (British Astronomical Association).

Rechenbeispiel

Vergrösserung = Teleskop-Brennweite ÷ Okular-Brennweite × Barlow-Faktor.

Teleskop Okular Barlow Vergrösserung
650 mm Brennweite 10 mm ohne 65-fach
650 mm Brennweite 10 mm 2x 130-fach
700 mm Brennweite 9 mm ohne 78-fach
700 mm Brennweite 9 mm 2x 156-fach

Die Beispiele stammen von sterngucker.de und Bresser. Wie du die Vergrösserung selbst ausrechnest, zeigt der Vergrösserungsrechner.

Wie viel Vergrösserung ist sinnvoll?

Als Faustregel gilt: höchstens das Doppelte der Öffnung in Millimetern (Bresser, sterngucker.de). Bei einem Teleskop mit 70 mm Öffnung sind das rund 140-fach, bei 130 mm rund 260-fach, bei 200 mm rund 400-fach. Ein Anfängerteleskop erreicht in der Praxis oft weniger (Telescope Advisor).

Dazu kommt das Seeing: In Mitteleuropa setzt die Luftunruhe meist schon bei etwa 200-facher Vergrösserung eine Grenze. Nächte, in denen 300-fach sinnvoll ist, gibt es laut sterngucker.de nur ein paar Mal im Jahr. Mehr zur Luftruhe unter Seeing und Transparenz.

Vorteile und Nachteile

Vorteile

  • Aus wenigen Okularen werden mehr Vergrösserungen. Eine Barlow «verdoppelt praktisch die Zahl der Okulare» (Astronomics).
  • Der Augenabstand des Okulars mit langer Brennweite bleibt erhalten, was Brillenträgern hilft. Kurzbrennweitige Okulare haben oft kleine Augenabstände.
  • An schnellen Teleskopen kann eine Barlow Bildfehler am Rand mittelpreisiger Okulare verringern (Astronomics).

Nachteile

  • Jede Glasfläche kostet Licht. Barlow plus Okular ergibt ein leicht dunkleres Bild mit etwas weniger Kontrast als ein kurzbrennweitiges Okular mit gleicher Vergrösserung (Astronomics, sterngucker.de).
  • Günstige Barlows können Astigmatismus und Farbsäume am Bildrand erzeugen und mindern ein gutes Okular.
  • Mehrere Barlows hintereinander ergeben meist ein dunkles, unscharfes Bild.
  • Für Nebel und Galaxien bringt sie nichts: Dort brauchst du viel Licht und wenig Vergrösserung.

Barlow oder kurzbrennweitiges Okular?

Ein passendes Okular ist laut Wikipedia einer Barlow-Lösung vorzuziehen: Es ist etwas heller und hat keinen zusätzlichen Glasweg. Eine Barlow ist dafür flexibler und spart Geld, wenn du viele Vergrösserungsstufen willst. Plane dein Set so, dass sich Okulare und Barlow nicht überschneiden, siehe Okulare wählen.

So setzt du die Barlow ein

  1. Erst ohne Barlow: Zentriere das Objekt mit einem normalen Okular und stell es scharf. Kleinere Okulare und die Barlow kommen später (Telescope Advisor).
  2. Barlow einstecken: Stecke die Barlow in den Okularauszug oder den Zenitspiegel und das Okular in die Barlow (Telescopic Watch).
  3. Nachfokussieren: Du musst ein wenig nachfokussieren (BBC Sky at Night Magazine).
  4. Steckmass beachten: Üblich ist die Steckhülse mit 31,7 mm (1,25 Zoll); einige Modelle haben 50,8 mm (2 Zoll) (Bresser).

Barlow in der Astrofotografie

Auch bei Planetenaufnahmen wird oft eine Barlow eingesetzt. Sie macht das Öffnungsverhältnis langsamer (aus f/8 wird bei 2x ein f/16), sodass du nur noch helle Ziele wie Mond und Planeten fotografieren kannst (Telescopic Watch). Bei einer Kamera ändert sich zudem der tatsächliche Faktor, weil die Brennebene weiter hinten liegt; im BAA-Test stieg er von 2,0 auf 2,7.

Häufige Fragen

Was macht eine Barlow-Linse?
Sie sitzt vor dem Okular im Strahlengang und verlängert die Brennweite des Teleskops um ihren Faktor. Eine 2x-Barlow verdoppelt die Vergrösserung jedes Okulars, eine 3x-Barlow verdreifacht sie.
Wie berechne ich die Vergrösserung mit Barlow?
Teleskop-Brennweite geteilt durch Okular-Brennweite, mal Barlow-Faktor. Beispiel: Ein Teleskop mit 650 mm Brennweite und ein 10-mm-Okular ergeben 65-fach, mit einer 2x-Barlow 130-fach.
Wie viel Vergrösserung ist sinnvoll?
Als Faustregel höchstens das Doppelte der Öffnung in Millimetern, bei 130 mm Öffnung also rund 260-fach. In Mitteleuropa setzt die Luftunruhe (Seeing) oft schon bei etwa 200-fach eine Grenze.
Brauche ich eine Barlow-Linse als Einsteiger?
Nicht zwingend. Für den Anfang genügen zwei bis drei Okulare. Eine gute 2x-Barlow lohnt sich später, wenn du bei Mond und Planeten mehr Vergrösserungsstufen willst.

Quellen (9)

  1. Wikipedia: Barlow-Linse (abgerufen 19.10.2026)
  2. sterngucker.de: Barlowlinse (abgerufen 19.10.2026)
  3. Bresser: Barlowlinsen (Erklärung und Steckmasse) (abgerufen 19.10.2026)
  4. Telescopic Watch: How to use a Barlow lens (abgerufen 19.10.2026)
  5. British Astronomical Association: Barlow lenses (abgerufen 19.10.2026)
  6. Astronomics: How to pick a Barlow (abgerufen 19.10.2026)
  7. BBC Sky at Night Magazine: What is a Barlow lens? (abgerufen 19.10.2026)
  8. Bresser: FAQ Astronomie für Einsteiger (abgerufen 19.10.2026)
  9. Telescope Advisor: First night with a new telescope (abgerufen 19.10.2026)

Weiterlesen

Diese Seite ist gratis und ohne Werbebanner. Wenn sie dir hilft: unterstützen →