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Sternenscout

Polausrichtung (Einnorden)

Damit eine parallaktische Montierung den Sternen folgt, muss ihre Achse zum Himmelspol zeigen.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Refraktor auf einer parallaktischen Montierung bei Nacht
Bild: Gustaaf Prins from Haarlem, The Netherlands, CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Eine parallaktische Montierung (auch äquatoriale oder deutsche Montierung genannt) hat zwei Achsen. Eine davon, die Polachse, muss parallel zur Erdachse stehen – also genau zum Himmelspol zeigen. Dann gleichst du die Himmelsdrehung mit nur einer Achse aus, von Hand oder mit Motor. Dieses Ausrichten heisst Polausrichtung oder Einnorden.

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Wo ist der Himmelspol?

Der Himmelsnordpol liegt sehr nahe beim Polarstern im Kleinen Wagen. Ganz genau dort ist er aber nicht: Der Polarstern steht derzeit etwa zwei Drittel Grad vom Pol entfernt (laut Wikipedia 0,66° im Jahr 2018), also gut einen Vollmond-Durchmesser. Für die Beobachtung reicht das Anpeilen des Polarsterns, für Fotografie nicht.

Sternspuren rund um den Himmelsnordpol
Sternspuren in 30 Minuten Belichtung: Alle Sterne ziehen Kreise um den Himmelsnordpol, der Polarstern steht fast still.Bild: Heyzeuss, CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

Den Polarstern findest du über den Grossen Wagen – wie, steht unter Star-Hopping.

Polhöhe = Breitengrad

Der Himmelspol steht so hoch über dem Nordhorizont, wie dein Breitengrad beträgt. Die Schweiz reicht von 45°49′ bis 47°48′ nördlicher Breite. Du stellst die Polhöhe also auf einen Wert zwischen knapp 46° und knapp 48° ein. Zürich zum Beispiel liegt auf 47,4°.

Deinen genauen Breitengrad zeigt dir jede Karten-App. Ein Grad Genauigkeit reicht für den Anfang.

Schritt für Schritt (visuelle Beobachtung)

  1. Stativ aufstellen und waagrecht ausrichten. Mit der eingebauten Libelle (Wasserwaage) oder einer kleinen Wasserwaage auf der Ablage.
  2. Montierung nach Norden drehen. Die Polachse zeigt grob nach Norden. Viele stellen dafür ein Stativbein nach Norden.
  3. Polhöhe einstellen. An der Skala der Montierung (meist mit «Latitude» beschriftet) deinen Breitengrad einstellen, zum Beispiel 47°.
  4. Polarstern anpeilen. Schau entlang der Polachse oder durch ihre Bohrung und bring den Polarstern mit den Einstellschrauben für Höhe und Azimut (links/rechts) in die Mitte. Den Tubus verstellst du dabei nicht.
  5. Feststellen. Alle Klemmen der Montierung festziehen – fertig für die Beobachtung.

Genauer mit dem Polsucher

Viele parallaktische Montierungen haben eine hohle Polachse mit einem kleinen eingebauten Fernrohr, dem Polsucher. Darin siehst du ein eingeätztes Muster (Strichplatte), oft mit konzentrischen Kreisen.

Strichplatte eines Polsuchers Konzentrische Kreise mit Fadenkreuz. Die Mitte markiert den Himmelspol. Der Polarstern wird auf dem Kreis an der Stelle platziert, die eine App für Datum und Uhrzeit angibt. Himmelspol Polarstern
Im Polsucher markiert die Mitte den Pol, nicht den Polarstern.Eigene schematische Skizze; Muster je nach Hersteller verschieden.

Wichtig: Ist die Montierung richtig eingenordet, liegt die Mitte der Strichplatte auf dem Pol, nicht auf dem Polarstern. Der Polarstern gehört auf einen der Kreise – an eine Stelle, die vom Datum und der Uhrzeit abhängt.

So gehst du vor:

  1. Position berechnen lassen. Eine App wie «Polar Scope Align» (für Android und iOS, laut British Astronomical Association gratis mit Werbung) zeigt dir für deinen Ort und die aktuelle Zeit, wo der Polarstern auf der Strichplatte deines Modells stehen muss.
  2. Strichplatte ausrichten. Dreh die Montierung um die Polachse, bis das Fadenkreuz so steht, wie die App es verlangt.
  3. Polarstern platzieren. Mit den Höhen- und Azimutschrauben schiebst du den Polarstern an die angegebene Stelle auf dem Kreis.

Ohne Polarstern

Ist der Polarstern von einem Haus oder Baum verdeckt, geht es auch mit Kompass und Polhöhen-Skala. Laut Sky at Night musst du dann die Missweisung beachten: Der Kompass zeigt nach magnetisch Nord, nicht nach geografisch Nord. Für die visuelle Beobachtung reicht das meist; das Objekt wandert dann eben etwas schneller aus dem Feld.

Wie genau ist genau genug?

  • Visuell: Polarstern grob in der Polachse – ausreichend. Du korrigierst gelegentlich von Hand.
  • Fotografie mit kurzen Belichtungen: Polsucher mit App.
  • Lange Belichtungen: Hier reicht der Polsucher oft nicht mehr. Laut BAA ist er eine schnelle, aber grobe Methode; genauer ist zum Beispiel die Drift-Methode, bei der du die Ausrichtung anhand wandernder Sterne verfeinerst.

Typische Fehler

  • Stativ nicht waagrecht: Dann verstellt sich beim Drehen auch die Polhöhe.
  • Polarstern in die Mitte statt auf den Kreis: Damit liegst du rund zwei Drittel Grad daneben.
  • Tubus statt Montierung bewegen: Für die Polausrichtung verstellst du nur Höhe und Azimut der Montierung, nicht die Achsen mit dem Tubus.
  • Stativ nachher anstossen: Wer gegen ein Bein tritt, beginnt von vorne. Kabel und Taschen nicht im Weg lassen.

Häufige Fragen

Muss ich einen Dobson einnorden?
Nein. Dobson- und andere azimutale Montierungen bewegen sich nach oben/unten und links/rechts und brauchen keine Polausrichtung. Azimutale GoTo-Montierungen werden stattdessen an Sternen ausgerichtet, siehe GoTo einrichten.
Wie genau muss ich einnorden?
Für die Beobachtung reicht es, die Polachse grob auf den Polarstern zu richten. Das Objekt wandert dann nur langsam aus dem Feld. Für Langzeit-Fotografie muss die Ausrichtung viel genauer sein.
Ich sehe den Polarstern nicht – was nun?
Stell die Polhöhe nach deinem Breitengrad ein und richte die Montierung mit dem Kompass nach geografisch Nord aus. Beachte, dass der Kompass nach magnetisch Nord zeigt. Das geht sogar am Tag.

Quellen (6)

  1. BBC Sky at Night Magazine: How to align a telescope mount (abgerufen 14.10.2026)
  2. British Astronomical Association: Using a polarscope (abgerufen 14.10.2026)
  3. Wikipedia (englisch): Polaris – Abstand zum Himmelspol (abgerufen 14.10.2026)
  4. Wikipedia (englisch): Geography of Switzerland – Breitengrade 45°49′ bis 47°48′ (abgerufen 14.10.2026)
  5. meteoblue: Astronomy Seeing Zürich – Koordinaten 47,37° N (abgerufen 14.10.2026)
  6. BBC Sky at Night Magazine: How to set up an altaz Go-To mount – Polhöhe = Breitengrad (abgerufen 14.10.2026)

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